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Kamerun darf Flüchtlinge nach Nigeria rückführen

12. 07. 2016

Kamerun darf in den nächsten Wochen 80.000 Flüchtlinge in ihre Heimat Nigeria zurückführen. Darauf haben sich die Nachbarstaaten geeinigt, nach offiziellen Angaben unterzeichnete auch das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR die Vereinbarung.

Im Kern geht es um die Rückführung von tausenden Flüchtlingen, die vor der Terrormiliz Boko Haram ins Nachbarland Kamerun geflohen sind. Allerdings gilt die Rückführung nur, wenn die Betroffenen dem zustimmen. In Nigeria sind mehr als zwei Millionen Menschen vor der anhaltenden Gewalt auf der Flucht. Grund für die aktuelle Rückführungskation: Kamerun selbst wird vermehrt zur Zielscheibe der fundamentalistischen Terroristen der Boko-Haram-Sekte.

Terror in Nigeria

Die islamistische Organisation Boko Haram terrorisiert den Nordosten Nigerias seit 2009. Auch die angrenzenden Gebiete der Nachbarländer Kamerun, Niger und Tschad sind davon betroffen. Boko Haram will dort einen sogenannten Gottesstaat mit strengster Auslegung des islamischen Rechts errichten. In den vergangenen sieben Jahren wurden bei Anschlägen und Angriffen der Terrorgruppe in Nigeria schätzungsweise 17.000 Menschen getötet. Im Nachbarland Kamerun sind seit 2013 fast 1.200 Menschen der Gewalt der Islamisten zum Opfer gefallen.

Auch Kamerun ist Ziel der Gewalt durch Boko Haram

Bruder Fabio Mussi ist Missionar der katholischen Kirche in Yagoua in Kamerun, an der Grenze zu Nigeria und Tschad. Dort hilft er der lokalen Caritas-Organisation. In einem Telefon-Interview mit Radio Vatikan erklärte er, das Problem habe sich langsam entwickelt: „Seit Januar 2014 gibt es auch bei uns Angriffe von Boko Haram und die sind in letzter Zeit angestiegen. Insbesondere gibt es vermehrt Selbstmordattentate, bei denen sogar Kinder als Kamikaze eingesetzt werden“, so Mussi.

Zur Situation vor Ort sagte der Missionar: „Caritas-Kamerun engagiert sich sehr bei der Hilfe für nigerianische Flüchtlinge, doch der ansteigende Druck durch Boko Haram erschwert die Hilfsarbeit zusehends“. Etliche Helfer könnten nur noch unter Militärschutz arbeiten, so Mussi. „Waren es anfangs noch nigerianische Terroristen, sind es nun vermehrt Leute aus Kamerun selber, die angreifen“, erklärt der katholische Priester. Dabei handle es sich vor allem um einen Volksstamm, der an der Grenze lebe und Kanuri heiße. „Deshalb müssen wir zugeben, dass das Boko-Haram-Problem nicht mehr nur ein nigerianisches, sondern mittlerweile auch ein Problem Kameruns geworden ist“, gibt Mussi zu Bedenken.

FN