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Deutsche Kolonie Kamerun

Bis zum Jahr 1884 war das heutige Kamerun freies afrikanisches Stammesgebiet. Die ersten Europäer kamen 1472 in die Region, als portugiesische Seeleute unter dem Kommando von Fernando do Poo im Delta des Wouri-Flusses landeten.

Weil sie dort so viele Krabben (portugiesisch: Camaroes) vorfanden, nannten sie den Fluss Rio de Camaroes. Daraus leitet sich der spätere Name Kamerun ab. Um 1520 setzte ein reger Warenhandel zwischen den Europäern und den ansässigen Stämmen, insbesondere den Douala ein. Bevorzugte Handelsgüter waren Elfenbein, Palmöl und Sklaven. Der Sklavenhandel endete offiziell im Jahr 1840, als die Douala einen Vertrag mit der britischen Regierung unterzeichneten. Etwa um diese Zeit begann auch die Missionierung Kameruns.

Mitte des 19. Jahrhunderts kamen zudem erste Forscher in das zentralafrikanische Gebiet. Der deutsche Afrikaforscher Heinrich Barth bereiste 1851 die Sahara und den Norden Kameruns, der Militärarzt Gustav Nachtigal erkundete als einer der Ersten die Region um den Tschadsee. Seit 1862 waren deutsche Händler im Nachbarland Gabun tätig, darunter das Hamburger Handelshaus Woermann. 1868 errichtete Woermann die erste deutsche Handelsstation in Douala. Im Jahr 1884 ernannte der deutsche Reichskanzler Bismarck den Forscher und Generalkonsul in Tunis, Dr. Gustav Nachtigal zum kaiserlichen Kommissar für die Westküste Afrikas. Nachtigal bekam den Auftrag, die für den deutschen Handel interessanten Gebiete unter deutsches Protektorat zu stellen. Dem Afrikaforscher gelang es,  im Juli 1884 Schutzverträge mit den wichtigsten Führern der Douala zu unterzeichnen. Daraufhin proklamierte Nachtigal am 14. Juli 1884 die deutsche Schutzherrschaft über Kamerun und hisste die deutsche Flagge. 1889 gründeten die Offiziere Hans Tappenbeck und Richard Kund die Forschungsstation Yaoundé, aus der die heute Landeshauptstadt von Kamerun hervorgegangen ist. Es folgten größere Expeditionen ins Binnenland. Die Geschichte der deutschen Herrschaft in Kamerun ist geprägt von militärischen Auseinandersetzungen mit den ansässigen Stämmen und der Unterdrückung der Ureinwohner.

1914 brach der erste Weltkrieg aus. Die schlecht ausgerüstete deutsche Schutztruppe konnte sich noch zwei Jahre in Kamerun halten, 1916 ergab sich die letzte Garnison der britischen Kolonialarmee. Nach dem ersten Weltkrieg und der Niederlange Deutschlands fiel Kamerun laut Versailler Vertrag von 1919 an den Völkerbund. Der Bund vergab ein Mandat an Frankreich und Großbritannien. Kamerun wurde aufgeteilt, wobei Frankreich vier Fünftel des Landes erhielt.